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Fair-Trade-Siegel im Vergleich: Bedeutung, Kritik und Empfehlungen

Unser Fair-Trade-Siegel Vergleich sagt dir, was du schon immer wissen wolltest. Zumindest, wenn du dich für die gerechte Bezahlung für Kaffee, Schokolade und Tee interessierst. Denn alles, was nicht fair hergestellt wurde, ist schlicht und einfach unfair. 

Du willst längst auf Label achten, aber weißt nicht, wem du vertrauen kannst? Du denkst, Fair-Trade-Siegel hauen dich letztendlich doch nur übers Ohr? Du bist sicher, dass kein Cent den du mehr zahlst, bei Bauern ankommt? Erfahre in unserem Vergleich von Fair-Trade-Logos, wie es wirklich ist. Wir stellen dir die bekanntesten Label vor, sagen dir wofür sie stehen und ob sich die höheren Kosten lohnen.

1. Fairtrade

Wofür steht das Siegel?

Das Fairtrade-Siegel ist so bekannt, dass wir es manchmal mit dem Begriff „Fair Trade“ verwechseln. Während es sich bei Fairtrade um einen Markennamen handelt (auf den wir hier gleich eingehen), meint „Fair Trade“ den Fairen Handel an sich – dieser lässt sich genauso gut durch andere Label bestätigen.Aber kommen wir nun zu den Kriterien des Fairtrade-Siegels:

  • Mindestpreis: Der Einkaufspreis deckt sowohl Produktionskosten als auch Ausgaben für die Lebenserhaltung. Kommt es auf dem Markt zu Preisschwankungen, dürfen diese den Mindestpreis trotzdem nicht berühren. Vertragspartner mit biologischem Anbau profitieren von einem Aufschlag. Zum Bio-Anbau verpflichtet sind sie aber nicht.
  • Sozialprämie: Zusätzlich zum Mindestpreis erhalten Vertragspartner eine Sozialprämie. Diese unterstützt soziale Projekte sowie Erwachsenenbildung, Straßenbau, Krankenhäuser oder Apotheken. Wofür sie die Prämie nutzen – das entscheiden letztendlich die Bauern.
  • Direkter Handel und langfristige Handelsbeziehungen: Je weniger Händler zwischen Produzent und Käufer stehen, desto besser – genau dafür setzt das Label sich ein. Abnehmer der Ware verpflichten sich außerdem zu langfristigen Handelsbeziehungen und schaffen damit ein Stück Sicherheit.
  • Keine Kinderarbeit: Illegale Kinderarbeit und Zwangsarbeit dürfen nicht vorkommen.
  • Umweltschutz: Um die Erde zu schützen, sollen Produzenten ihre Ware mit möglichst nachhaltigen Methoden anbauen.

Wie wird es kontrolliert?

Die Organisation FLO-CERT kontrolliert ob die Partner alle sozialen, ökonomischen und ökologischen Standards umsetzen. Außerdem wirft sie unter anderem ein Auge auf Mindestpreis und Auszahlung der Prämien.FLO-CERT gehört zur Tochtergesellschaft Fairtrade International und arbeitet als unabhängiges Zertifizierungsunternehmen. Innerhalb von drei Jahren stehen nach der Zertifizierung mindestens zwei weitere Kontrollen an. Manchmal taucht FLO-CERT zudem unangekündigt auf. Erfüllen Vertragspartner die Standards nicht, fordert FLO-CERT entsprechende Anpassungen. Betroffenen droht der Verlust der Zertifizierung, wenn sie ihre Frist zur Umsetzung nicht einhalten.

Welche Kritik gibt es?

  • Mengenausgleich: Kakao, Zucker, Tee und Fruchtsaft sind trotz Siegel nicht immer zu 100 Prozent fair. Manchmal verarbeiten Fabriken faire und unfaire Rohwaren nicht voneinander getrennt. Das Fairtrade-Label bekommen sie trotzdem – allerdings mit der zusätzlichen Angabe „mit Mengenausgleich“. 
  • Mischprodukte: Artikel wie Schokolade enthalten Rohware, die sich nur schwer als fair zertifizieren lässt – Milch zum Beispiel. TransFair e.V. verleiht das Siegel dann, wenn alle Zutaten fair sind, die prinzipiell fair sein können. Und wenn der nicht zertifizierbare Anteil bei maximal 20 Prozent liegt.
  • Prozentualer Fair Trade-Gehalt: 2011 musste ein Produkt noch zu mindestens 50 Prozent aus fairen Rohstoffen bestehen, um mit dem Siegel werben zu dürfen. Leider wurde der Anteil auf 20 Prozent reduziert.

Ist das Label zu empfehlen?

Jedes kontrollierte Fair Trade Siegel ist besser als ein „unfaires“ Produkt ohne Label. Deswegen sagen wir: Orientiert euch ruhig an dem Siegel, seid euch aber bewusst, dass manche Standards noch höher sind.

2. Schütze unsere Gesundheit vor Schadstoffen

Was sagt das Siegel aus?

Gepa fair + ist kein eigenes Siegel. Wegen seiner großen Bekanntheit greifen wir das Logo trotzdem auf. Letztendlich basiert Gepa fair + unter anderem auf den Fairtrade-Richtlinien – geht aber ein ganzes Stück weiter.

  • Kein Mengenausgleich: Kaufst du ein Produkt mit dem Logo, musst du nicht auf den Mengenausgleich achten. Den gibt es bei Gepa fair + in der Regel nicht. Nur in Ausnahmefällen bei kurzfristigen Problemen mit der Verfügbarkeit von Zutaten landet unfaire Rohware in den Artikeln.
  • Biologischer Anbau: Neben den stärkeren sozialen Standards findest du hier außerdem ein breites Sortiment an Bioprodukten. Zirka 77 Prozent der Waren von Gepa fair + stammt aus nachhaltigem Anbau. 
  • Transparenz: Um Produkte mit wirklich hohem Fair Trade-Anteil anzubieten, müssen Unternehmen ihre Lieferketten bis ins kleinste Glied zurückverfolgen. Und genau das gewährleistet Gepa fair +: Das Unternehmen kennt seine Partner und weiß, woher die Rohware kommt.

Wie wird es kontrolliert?

Einmal im Jahr kontrolliert FLO-CERT, ob alle Vertragspartner die geforderten Standards umsetzen. Außerdem verfällt die Zertifizierung nach dem dritten Jahr und muss mit einer detailreichen Prüfung erneuert werden.

Welche Kritik gibt es?

  • Verwirrung: Ein Fair Trade-Logo, das wie ein Siegel aussieht, aber eigentlich gar keins ist – das stiftet Verwirrung. Gepa verzichtet bei vielen Produkten auf offizielle Label, obwohl sie die Standards erfüllen. Bei so manch einem Verbraucher kann das – zu Recht – Unsicherheit aufkeimen lassen.
  • Mischprodukte: Einen Mengenausgleich findest du bei Gepa zwar nicht, dafür aber teilweise Mischprodukte. In diesen stecken Zutaten, bei denen eine Zertifizierung als fair ungewöhnlich ist - zum Beispiel Mehl oder Milch.

Ungewöhnlich heißt für Gepa aber nicht unmöglich. Das Unternehmen macht es vor und bezieht für einige Produkte zum Beispiel faire Bio-Alpenmilch. Außerdem müssen Artikel mindestens zu 40 Prozent fair sein. Das sind 20 Prozent mehr als bei dem Fairtrade-Siegel von TransFair e.V.

Wie sieht die Empfehlung aus?

Ganz klar: Das Gepa fair + Logo ist eins der besten. Schlag unbedingt zu, wenn du es siehst.

3. Fairglobe und One World

Was bedeuten die Siegel?

Discounter-Biosiegel zieren schon lange das eine oder andere Produkt von Aldi, Lidl und Co. Mittlerweile findest du hier auch Kaffee oder Schokolade mit Fair Trade-Siegel. Fairglobe und One World erfüllen die Richtlinien der Fairtrade Labelling Organisation International. Sie sind also von ihrer Aussagekraft mit dem bekannten Fairtrade-Siegel von TransFair e.V. gleichzusetzen. Sieh dir die Verpackungen genauer an – oft findest du das entsprechende Label. Aber selbst wenn nicht: Du kannst sicher sein, dass bei der Produktion der Ware Standards wie Mindestpreis und Sozialprämie gelten. Fair Trade vom Discounter ist besser als jedes andere unfaire Produkt. Trotzdem: Wenn du dir noch bessere Standards wünschst, wähle auch andere Siegel.

4. Hand in Hand

Was sind die Kriterien des Siegels?

  • Bio: Rapunzel vertreibt ausschließlich Bio-Produkte. Dementsprechend sind dein Kaffee und deine Schokolade mit Hand in Hand Label nachhaltig angebaut.
  • Umweltschutz: Rapunzel setzt sich mit dem Logo für die Einhaltung von Umweltgesetzen und die Schaffung von Lebensräumen für Tiere und Pflanzen ein. Beides gilt als Voraussetzung für das Label.
  • Menschenrechte: Lieferanten verpflichten sich dazu, die Rechte indigener Landbevölkerung zu wahren sowie Gesetze zur Versammlungsfreiheit, Entlohnung und Arbeitsrechte (ILO-Konventionen) einzuhalten.
  • Faire Basispreise: Die Preise decken Lebenserhaltungskosten der Landwirte und dauerhaft Angestellten sowie gesetzliche Minimumlöhne für Vollzeit-, Teilzeit- oder Saisonkräfte ab.

Wie sieht die Kontrolle aus?

Jedes zweite Jahr müssen sich die Lieferanten von unabhängigen Kontrolleuren testen lassen. Bei den Prüfungen kontrolliert Rapunzel die Umsetzung der Standards. Wenn notwendig, geht das Unternehmen einen Schritt weiter und wirft sogar ein Auge auf Vorlieferanten und Dienstleister.

Gibt es Kritik?

Mischprodukte: Wie andere Label arbeitet auch Rapunzel mit Mischprodukten. Rohware, die sich nicht als fair zertifizieren lässt, darf verarbeitet werden – insgesamt aber nur einen Anteil von maximal 50 Prozent ausmachen.

Wie empfehlenswert ist das Siegel?

Greife auf jeden Fall zu, wenn du das Hand in Hand Label siehst. Du bekommst nicht nur fair gehandelte Produkte, sie sind obendrauf auch noch Bio. Sogar die Stiftung Warentest ist begeistert und gibt dem Siegel eine hohe Aussagekraft mit sehr guter Umsetzung in der Praxis.

5. Naturland Fair

Was besagt das Siegel?

Wahrscheinlich kennst du das Naturland-Siegel aus der Bio-Branche. Das Unternehmen interessiert sich wirklich für eine nachhaltigere Welt und arbeitet deswegen seit 2010 mit eigenen Richtlinien, die Ökolandbau und fairen Handel verknüpfen.

  • Soziale Verantwortung: Verbot von ausbeuterischer Kinder- und Zwangsarbeit, Versammlungsfreiheit oder Gewerkschaften sind für Naturland lediglich die Grundlage. Betriebe verpflichten sich darüber hinaus zu fairen Verträgen, geregelten Arbeitszeiten, Sozialleistungen, Weiterbildung sowie Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz.
  • Faire Preise: Naturland will nicht nur die Existenzgrundlage der Erzeuger sichern, sondern auch einen Gewinn für Investitionen gewährleisten.
  • Regionale Rohstoffe: Die verwendeten Rohstoffe sollen aus der Region stammen – und zwar bestenfalls zu mindestens 80 Prozent.
  • Gesellschaftliches Engagement: Für Naturland-Betriebe gehört Engagement zum Beispiel in den Bereichen Umweltschutz, Schaffung von Arbeitsplätzen für Menschen mit Behinderung oder Unterstützung für Gesundheits- und Bildungsmaßnahmen dazu.
  • Kein Mengenausgleich: Naturland Fair verzichtet auf Ware mit Mengenausgleich.

Wo gibt es Kritik?

Mischprodukte: Naturlands Ziel ist es, 100 Prozent faire Mischprodukte herzustellen. Solange das nicht gelingt, müssen mindestens 50 Prozent fair gehandelt sein. Außerdem legt das Unternehmen darauf wert, dass der Anteil stetig wächst.

Ist das Siegel empfehlenswert?

Ganz klar! Gehe niemals an einem Produkt mit Naturland Fair Siegel vorbei (es sei denn du hast schon 2 Kilo Kaffee im Schrank stehen). Stiftung Warentest wertet Aussagekraft und Umsetzung als sehr hoch.

Fazit: Fair Trade Label sind besser als ihr Ruf

So viele unterschiedliche Siegel – da ist es kein Wunder, wenn du manchmal verwirrt bist und nicht mehr weißt, wem du deinen Glauben schenken sollst. Aber wie du siehst, bemühen sich alle Label um eine faire Bezahlung der Produzenten und sollten deswegen unbedingt in deinem Einkaufswagen landen. Zugegeben – manche Logos bieten dir höhere Standards als andere. Wie weit du gehen möchtest, bleibt dir überlassen. Die Kritik der Verbrauchertäuschung möchten wir aber ein Stück weit zurückweisen. Ja, Misch- und Ausgleichprodukte sind selten zu 100 Prozent fair. Wie hoch der Anteil letztendlich ist, verrät dir jedoch ein Blick auf die Verpackung. Außerdem musst du nicht zum bekannten Fairtrade-Siegel greifen – andere Label arbeiten mit höheren Mengen. Und sie alle streben nach noch größeren Anteilen aus fairem Handel. Meckern ist nun mal einfacher als anzupacken. Jeder Anfang bleibt ein Anfang und ist damit auch stets ein Prozess. Wir schauen optimistisch in die Zukunft und kaufen lieber Artikel, die zu 50 Prozent fair sind, als Artikel, die es zu 0 Prozent sind.

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